Geduld gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen 

·

·

Geduld gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen

Ich bin schnell. 

Ich denke schnell, entwickle Ideen schnell und wenn ich einen Weg erkannt habe, möchte ich ihn am liebsten auch direkt gehen. Für mich ist das meistens sehr praktisch. Für Menschen um mich herum manchmal eher sportlich. 

Geduld würde ich daher nicht unbedingt ganz oben in meinen Lebenslauf schreiben. 

Nun bilden wir aus. 

Zwei Menschen, das gleiche Berufsbild und trotzdem zwei völlig unterschiedliche Wege. Isabell absolviert ihre Ausbildung über drei Jahre, Maria bringt durch ihren bisherigen Weg bereits Erfahrungen mit und geht ihn in zwei Jahren. 

Spätestens hier funktioniert mein persönliches „Komm, wir machen das eben“ nicht mehr. 

Wer etwas seit Jahren macht, vergisst leicht, wie es war, als man es noch nicht konnte. Was für mich ein Handgriff ist, besteht für jemand anderen aus zehn einzelnen Schritten. Was für mich logisch erscheint, muss ein anderer erst verstehen. Und was ich nach wenigen Minuten erfasse, braucht bei einem anderen vielleicht drei Anläufe. 

Das auszuhalten, hat viel mit Geduld zu tun. Und mit Demut. 

Denn meine Aufgabe ist nicht, zu zeigen, wie schnell ich etwas kann. Meine Aufgabe ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem jemand anderes lernen kann, es selbst zu können. 

Das bedeutet erklären, ausprobieren lassen und manchmal den Mund halten, obwohl ich die Lösung längst sehe. Fehler zulassen, solange sie niemandem den Kopf kosten, und nicht sofort das Ruder übernehmen, nur weil der Weg ein wenig schlingert. 

Führung funktioniert ähnlich. 

Wenn ich jedes Problem selbst löse, weil es schneller geht, habe ich kurzfristig Zeit gewonnen und langfristig Abhängigkeit geschaffen. Menschen entwickeln sich nicht dadurch, dass ihnen jemand ständig zeigt, wie gut er etwas kann. Sie entwickeln sich, wenn man ihnen zutraut, ihren eigenen Weg zur Lösung zu finden. 

Ich vermute, Isabell und Maria werden in den nächsten Jahren einiges an Geduld  brauchen. 

Mit uns. 

Wir mit ihnen. 

Und ich mit mir selbst. 

Vielleicht ist genau das die Demut am Ausbilden und Führen: Zu erkennen, dass die eigene Erfahrung nicht der Maßstab für die Geschwindigkeit eines anderen Menschen ist. 

Mal sehen, wie geduldig ich wirklich bin. 

Annika darf an dieser Stelle gerne schweigen. 😉  



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert